Institute of Phonetics and Speech Processing
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Synchrone Variabilität und Lautwandel im Europäischen Portugiesisch: Die Entwicklung von nasalen Vokalen und Diphthongen

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PI: Conceição Cunha

Funding, application period

BMBF/Bundesministerium für Bildung und Forschung (“Kleine Fächer, große Potenziale”), 2017 - 2020

Project description

Dieses Projekt befasst sich mit dem Ursprung des Lautwandels und wie er aus der alltäglichen sprachlichen Kommunikation zwischen Sprechern und Hörern zustande kommen kann. Der innovative und interdisziplinäre Aspekt dieses Projekts liegt in der Modellierung des historischen Lautwandels durch den Einsatz von Echtzeit-Magnetresonanz-tomographischen Daten (RT-MRT), um die Bewegungen und Koordination der Vokalorgane und deren Beziehung zur Sprachwahrnehmung zu erfassen. Die neuen Entwicklungen an der automatischen Bildverarbeitung (Silva und Teixeira, 2015) ermöglichen Aufnahmen einer großen Anzahl von Versuchspersonen mit einer hohen Zeitauflösung. Dies ermöglicht es, Lautwandelhypothesen auf Basis der Variation zwischen Sprechern in der Produktion und Perzeption in der Sprachdynamik zu prüfen.

Eine solche Variation kommt zustande, da sich Sprachlaute – im starken Gegensatz zu der alphabetischen Schriftsprache mit getrennten Buchstaben – gegenseitig beeinflussen und zeitlich überlappen. So ist beispielsweise /a/ in dt. man nasalierter als in Bad, weil /n/ teilweise gleichzeitig mit /a/ in man produziert wird. Jedoch variieren Sprecher in dieser zeitlichen Überlappung: Es sind genau solche Variationen, die laut einiger Theorien (z.B. Beddor, 2012; Ohala, 2012) für historische Entwicklungen wie Latein manus ('Hand') > Französisch /mɛ̃/ main und Portugiesisch /mɐ̃w/ mão ‚Hand’ verantwortlich sind. Es lässt sich aber sehr schwer feststellen, wie solche Lautwandelprozesse aus der Variation in der sprachlichen Kommunikation entstehen, und sich in der Gemeinschaft verbreiten, gerade weil diese feinen Variationen in der Koordinierung der Vokalorgane und deren perzeptive Interpretation bislang kaum zugänglich gewesen sind. Dieses Projekt sucht neue Lösungen zu genau diesem Problem. Hierbei werden neue Horizonte für das Verständnis von Lautwandel durch dessen Einbettung in die zeitlichen Vorgänge der Sprachphysiologie und –perzeption. Zudem trägt das Projekt zu einem besseren Verständnis bei, wie Lautkategorien (z.B. Konsonanten und Vokale) mit den kontinuierlichen, sich zeitlichen überlappenden Vorgängen der Sprachdynamik verbunden sind. Daraus ergeben sich neue Impulse für Fortschritte in angewandten Gebieten wie der maschinellen Erkennung der gesprochenen Sprache, für die diese Lücke zwischen zeitlich variierenden Sprachsignalen und Lautkategorien ein großes und noch lange nicht überwundenes Problem bleibt. Die übergeordnete Signifikanz dieses Projektes ist daher, dass es neue Lösungen zum Körper-Geist-Problem bietet, d.h. es erweitert unsere Kenntnisse darüber, wie mentale Kategorien mit physischen Zuständen verbunden sind.